Leistungsförderung durch ergogene Stoffe

Leistungsförderung: Verbesserung der Energieversorgung, Vermehrung von Muskelgewebe oder die Vermeidung von sportbedingten Zellschäden – leistungsfördernde ergogene Stoffe sollen aus dem Körper das Beste herausholen, ihn stärken und gleichzeitig schützen. Dabei ist die Wirkung jener heiß diskutiert und wissenschaftlich nicht immer fest zu untermauern. Ganz im Gegenteil, denn einige leistungsfördernde Stoffe – darunter Koffein – werden sogar als dopingrelevant auf der Liste der für den Sport verbotenen Substanzen angeführt.


 

Ergogene Substanzen im Sport

 

Sich im sportlichen Wettkampf einen Vorteil verschaffen – was in der Natur der Menschheit liegt wurde schon in der Antike mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln unterstützt. Vitamin- und Mineralstoffprodukte sollten dabei hauptsächlich zur Steigerung der Energie, der Vermehrung von Muskelgewebe und der Vergrößerung der darin liegenden Energiereserven sorgen und so die sportliche Leistungsfähigkeit über das normalerweise durch Training, Ernährung und Talent erreichbare Maß steigern.

Bei ergogenen Substanzen handelt es sich um Präparate, die eine Verbesserung von sportrelevanten, leistungssteigernden und physiologischen Parameter bewirken sollen.

Auch wenn ergogene Hilfen zu körpereigenen Wirkstoffen im Bereich des legalen sind, so ist deren Einsatz nicht immer ratsam oder gar nebenwirkungsfrei. Prinzipiell sind es Ernährung und Lebensweise, die über eine langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit entscheiden – unterschiedliche Supplemente können dabei nur ergänzend wirken. Auch deren Dosierung ist maßgeblich an der zu erwartenden Wirkweise beteiligt, denn viel hilft nicht immer viel: Ganz im Gegenteil kann eine Überdosierung oftmals sogar unnötig Ressourcen verbrauchen und statt leistungsfördernd kraftraubend wirken.

Zu den ergogenen Stoffen gehören:

  • Kreatin
  • L-Carnitin
  • BCAA
  • Aminosäuren
  • CLA
  • Taurin
  • Guarana und Co.
  • Phosphat- und Alkalisalze
  • Coenzym Q10

 

– KREATIN –

Als Schlüsselsubstanz für die Energiebereitstellung ist Kreatin besonders populär. Gebildet in Leber, Niere und Bauchspeicheldrüse besteht es aus den Aminosäuren Arginin, Glycin und Methionin und kann zu 95 % im Muskel gespeichert werden. Von den rund 2 Gramm Kreatin, die der Körper täglich benötigt, wird etwa die Hälfte vom Organismus selbst gebildet während der andere Teil mit der Nahrung – vornehmlich aus Fleisch und Fisch – zugeführt wird. Der leistungssteigernde Effekt von Kreatin ist allerdings nur bei kurzzeitigen Maximalbelastungen und nicht bei Ausdauersportarten nachweisbar.

Nebenwirkungen: Die Einnahme von Kreatin erhöht das Verletzungsrisiko der Muskulatur und geht häufiger mit einer Gewichtszunahme von durchschnittlich 2 Kilogramm einher, die auf muskuläre Wassereinlagerungen zurückzuführen ist.

 

– L-CARNITIN –

Vom Körper selbst in Leber, Niere und Gehirn herstellbar besteht L-Carnitin aus den Aminosäuren Lysin und Methionin, für deren Synthese die Vitamine C, B6 und Niacin sowie Eisen benötigt wird. Nicht nur in Fleisch, auch in Nahrungsmitteln wie Eiern, Vollkornprodukten, Obst und Gemüse sowie Milcherzeugnissen kann es dem Organismus zur Verfügung gestellt werden. L-Carnitin spielt eine wichtige Rolle wenn es um die Gewinnung von Energie geht, indem es als Transportmittel für langkettige Fettsäuren fungiert. Auch verkürzt sich mit der Einnahme von L-Carnitin die Regenerationsdauer nach einer sportlichen Belastung, während gleichzeitig eine Reduktion von Muskelzellschädigungen und Muskelschmerzen nachgewiesen werden konnte.

Nebenwirkungen: Die längerfristige Einnahme von L-Carnitin kann zu einer Abnahme der körpereigenen Produktion führen.

 

– AMINOSÄUREN UND BCAA –

Aminosäuren sind Bausteine der Eiweiße und werden häufig mit dem Muskelaufbau in Verbindung gebracht. Glutamin ist dabei nicht nur maßgeblich an der Eiweißsynthese beteiligt, sondern trägt auch einen wichtigen Beitrag für ein starkes Immunsystem bei. Während Arginin und Ornithin eine anabole Wirkung zugesagt wird, ist es bei Tryptophan eine antikatabole, bei der nicht nur Abbauprozessen sondern auch einer Ermüdung der Muskulatur bei intensivem Training entgegengewirkt werden soll. Auch die als BCAA bekannten verzweigtkettigen Aminosäuren Valin, Isoleucin und Leucin sollen den Organismus auf diese Weise unterstützen.

Nebenwirkungen: Eine auf den Ermüdungsprozess einwirkende positive Wirkung der Aminosäuren ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dies gilt ebenso für Nebenwirkungen auf den Organismus. Hin und wieder von Magen-Darm-Beschwerden bei der Einnahme von BCAA berichtet.

 

– CLA –

Konjugierte Linolsäure CLA reichert sich in Butter, Muskelfleisch und Milch an und kann in 16 unterschiedlichen chemischen Formen vorliegen. Wissenschaftlich belegt sind sowohl eine Verringerung von Gefäßveränderungen als auch die hemmende Wirkung auf Wachstum und Ausbreitung von Krebszellen. In sportlicher Hinsicht wird CLA eine antioxidative Wirkung zugesprochen, die mit der Verminderung von Körperfett und der Erhöhung des Muskelanteils einhergeht – zumindest zeigt sich dies in Tierversuchen.

Nebenwirkungen: Eine zu hohe Dosierung von konjugierte Linolsäure wird mit einem vermehrten Wachstum von Lebertumoren in Verbindung gebracht.

 

– TAURIN –

Mit Hilfe von Vitamin B6 aus den Aminosäuren Methionin und Cystein herstellbar, wird Taurin in Leber und Gehirn in so ausreichender Menge gebildet, dass auch der tägliche Bedarf eines Sportlers gedeckt ist. Über die Nahrung kann es aus Fleisch und Thunfisch, aber kaum aus pflanzlichen Nahrungsmittel und Milchprodukten aufgenommen werden. Neben einer positiven Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System und der damit einhergehenden Verbesserung der Ausdauerleitungsfähigkeit soll Taurin eine antioxidative Zellsubstanz sein und dem Organismus als Aminosäure notwendige Aufbaustoffe für das Muskelprotein liefern.

 

– PFLANZENEXTRAKTE WIE GUARANA UND EPHEDRIN –

Es sind die Samenkörner einer südamerikanischen Schlingpflanze, besser bekannt als Guarana, die sich anregend auf Gehirn sowie Atem- und Kreislaufsystem auswirken. Weil das enthaltene Koffein direkt ins Gehirn gelangt, steigert es Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit für 4 bis 6 Stunden. Bei einer sportlichen Belastung kann Koffein in den ersten Minuten die Energiegewinnung aus Fettdepots erhöhen und so bei langandauernder Aktivität die Einsparung von Muskelglykogen herbeiführen. Aufgrund der harntreibenden und entwässernden Wirkung macht die vermehrte Koffeinaufnahme bei Langstreckenläufern jedoch keinen Sinn.

Besonders wirksam ist eine Kombination von Koffein und Aspirin mit Ephedrin. Diese Substanz entstammt dem chinesischen Heilkraut Ma Huang und wirkt dank der enthaltenen natürlichen Amphetamine nicht nur stimulierend auf den Kreislauf sondern auch gewichtsreduzierend.

Nebenwirkungen: Den Kaffeejunkies nutzt die Einnahme von zusätzlichem Koffein aufgrund der Koffeingewöhnung wenig und auch der harntreibende Effekt kann sich beim Sport negativ auf den Wasserhaushalt auswirken. Daneben kann hoher Koffeingenuss der Grund für Reizbarkeit, Nervosität, Durchfall, Zittern oder Schlaflosigkeit sein.

 

– PHOSPHATSALZE, ALKALISALZE UND COENZYM Q 10 –

Als Teil der körpereigenen Energiespeicher ATP und KP sollen Phosphatsalze eine Leistungssteigerung bewirken und gleichzeitig die Milchsäureproduktion mindern und das sowohl bei Kurz- als auch bei Langstreckenläufern. Auch Alkalisalze sollen als chemische Verbindung von Bicarbonat- und Citrat-Resten eine solche Leistungssteigerung hervorrufen, von der auch Kurzstreckenschwimmer profitieren können.

Bekannt als Jungmacher soll das Coenzym Q10 auch den Abbau von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen unterstützen und so den Stoffwechsel anregen. Wissenschaftlich bewiesen ist diese Wirkung jedoch bisher nicht. Klar ist, dass Coenzym Q10 eine vitaminähnliche körpereigene Substanz ist und bei der Energiebereitstellung eine wesentliche Rolle spielt. Es kann sowohl vom Körper selbst produziert als auch über Nahrungsmittel wie Eier, Butter, Fleisch und Leber werden und die darin enthaltene Energie in körpereigene (ATP) umwandeln. Insbesondere bei starker körperlicher Belastung zu der auch übermäßiger Stress zählt, kann es zu einem Mangel an Coenzym Q10 kommen. Auch nimmt die körpereigene Produktion mit zunehmendem Alter ab, sodass der Bedarf kaum mehr ohne Zufuhr von außen gedeckt werden kann. In beiden Fällen ist die Nahrungsergänzung daher sinnvoll und auch bei länger anhaltender Einnahme nebenwirkungsfrei.

 

Weitere ergogene Hilfen

 

Neben den ernährungsbezogenen ergogenen Hilfen zur Leistungsförderung durch Makro- und Mikronährstoff-Supplemente, sowie ergogene Genussmittel wie Kaffee, Honig oder Weizenkeimöl die Muskelgewebe und Energiereserven erhöhen sollen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die sportliche Leistungsfähigkeit zu erhöhen oder die Regenerationszeit nach einer intensiven Belastung zu verkürzen. Zum einen gibt es physiologische Hilfen wie gezielte physiotherapeutische Maßnahmen, Massagen und Schlaf auf der einen und unterschiedliche Atemtechniken sowie Höhentraining auf der anderen Seite, die zur Verzögerung von körperlichen Ermüdungserscheinungen beitragen sollen. Zum anderen sind es psychologische Hilfen wie Aufmerksamkeitstraining oder Gedankenkontrolle zur Anregung oder Tiefenatmung, Meditation und Yoga zur Beruhigung, die zu einer Leistungssteigerung beitragen können indem sie zur Verbesserung der mentalen Bedingungen beitragen.

Daneben gibt es eine Reihe pharmakologischer Hilfsmittel wie

  • Stimulanzien wie Amphetamin, Ephedrin, Cocain
  • Narkotika wie Codein, Morphin, Methadon
  • Anabole Wirkstoffe wie Stanozolol, Nandrolon
  • Diuretika wie Benzthiazid, Chlortaliton
  • Beta-Blocker wie Atenolol, Labetolol, Sobatol
  • Peptidhormone wie Somatotropin

Dem Einsatz dieser teils fragwürdigen Substanzen ist die Nutzung (bio)mechanischer ergogener Hilfen definitiv vorzuziehen. Neben der Optimierung des Körperhaltung und des Gewichtes sind es eine ausgewählte Bekleidung du Ausrüstung, die maßgeblich zum Erfolg eines Trainings beitragen – ganz ohne große Aufwand und jegliche Nebenwirkungen.


Besonders im modernen Leistungssport wird leistungssteigernden, ergogenen Substanzen ein hoher Stellenwert beigemessen. Diese Leistungsförderer – seien es hochdosierte Präparate, gezielte Trainingsmethoden oder Geräte – sollen die sportliche Leistungsfähigkeit über das machbare Maß hinaus steigern ohne dabei als Doping zu gelten. Die Grenzen gehen hierbei jedoch fließend ineinander über, denn ernährungsbezogene ergogene Stoffe sollen nicht nur das Muskelgewebe vermehren, sondern auch die Energiereserven in der Muskulatur vergrößern und so die Energieproduktionsrate erhöhen. Die gezielte Nahrungsergänzung darf daher nur äußerst bedacht geschehen und sollte in jedem Fall mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung als Grundlage für Gesundheit und Leistungsfähigkeit einhergehen.

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